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Andrew Lococo: Der Wirt, der zum größten Thunfisch-Reeder der Welt wurde
Andrew Lococo, genannt Andy, war ein aus Milwaukee stammender Gastronom, der in den 1960er-Jahren vom FBI der organisierten Kriminalität zugerechnet und 1970 wegen Meineids verurteilt wurde – bevor er sich als Besitzer des seinerzeit größten Thunfischfangschiffs der Welt neu erfand. Sein Name taucht bis heute in zwei völlig unterschiedlichen Kapiteln kalifornischer Wirtschaftsgeschichte auf: als Hotelier, der Hollywoods Stars beherbergte, und als Reeder einer hochseetauglichen Flotte vor San Diego. Wer heute nach ihm sucht, stößt auf Gerichtsakten, Lokalzeitungen und die Erinnerungen einstiger Nachbarn aus Hawthorne.
Ankunft in Südkalifornien und der Sprung in die Gastronomie
Lococo verließ den Mittleren Westen 1943 und ließ sich in Südkalifornien nieder. Vor seinem großen Wurf arbeitete er zunächst in Oceanside, bevor er sich eine heruntergekommene Imbissbude namens Cockatoo Cafe zulegte. Aus dieser bescheidenen Basis machte er binnen wenigen Jahren mehr als nur ein Restaurant.
1946 eröffnete er dort einen Drive-in mit Hühnchen und Rippchen, wie es die Los Angeles Times rückblickend beschreibt. Ein Brand legte den Betrieb 1958 in Schutt und Asche – ein Rückschlag, den der Unternehmer nutzte, um komplett neu zu bauen.
Das Cockatoo Inn: Hawthornes vergessener Hollywood-Treffpunkt
Aus der Asche entstand das Cockatoo Inn, ein Hotel- und Restaurantkomplex an der Hawthorne Boulevard/Imperial Highway, der laut Überlieferung von Filmstars wie Betty Grable, Mickey Rooney und dem Bandleader Harry James frequentiert wurde. Für zwei Dekaden war das Haus ein Fixpunkt im Nachtleben von Los Angeles County.
Der Betrieb blieb dabei strikt ein Familienunternehmen: Lococo und seine Frau waren, wie aus dem späteren Gerichtsverfahren hervorgeht, die alleinigen Anteilseigner der Gesellschaft, die das Restaurant führte, während das eigentliche Hotel direkt von ihnen betrieben wurde. Das private Wohnhaus der Familie grenzte unmittelbar an das Gelände.
Kurzüberblick zum Cockatoo-Kapitel:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1943 | Umzug nach Südkalifornien |
| 1946 | Eröffnung des Drive-ins „Cockatoo Cafe“ |
| 1958 | Zerstörung durch Brand |
| Nach 1958 | Wiederaufbau als Cockatoo Inn mit gehobener Ausstattung |
| 1968 | Kandidatur für ein politisches Amt |
Politischer Ehrgeiz und das Interesse des FBI
1968 wagte sich der Gastronom in die Kommunalpolitik und kandidierte für ein öffentliches Amt – ein Schritt, der zusätzliche Aufmerksamkeit auf seine geschäftlichen Verbindungen lenkte. Bundesbehörden stuften ihn zu dieser Zeit als Mitglied der organisierten Kriminalität ein, ein Etikett, das seine spätere strafrechtliche Verfolgung einleitete.
Der Meineid-Prozess: Ray Mirr und 83 Telefonate
Den entscheidenden Wendepunkt markierte ein Bundesverfahren, das 1970 mit einer Verurteilung endete und 1971/72 vom 9. Circuit Court bestätigt wurde. Laut dem veröffentlichten Urteil hatte Lococo vor einer Grand Jury behauptet, im vergangenen Jahr keinen Kontakt zu einem gewissen Ray Mirr gehabt zu haben. Die Anklage widerlegte diese Aussage mit Aufzeichnungen von rund 83 Telefonanrufen, die über den Geschäftsanschluss des Restaurants zu Mirrs privater und geschäftlicher Nummer geführt wurden.
Das Berufungsgericht verwarf sämtliche Einwände der Verteidigung – sowohl zur Relevanz der Aussage für die Ermittlung als auch zur Zulässigkeit der Telefonprotokolle – und bestätigte die Verurteilung in vollem Umfang. Als Folge der Verurteilung geriet der Gastronom später erneut ins Visier der Behörden: Presseberichte aus jener Zeit dokumentieren eine zusätzliche Anklage wegen unerlaubten Waffenbesitzes, da er als verurteilter Straftäter drei Pistolen, zwei Schrotflinten und zwei Gewehre besaß.
Rückzug aus der Gastronomie, Einstieg in die Hochseefischerei
Nach der Verurteilung trennte sich Lococo vom Cockatoo-Geschäft. Statt sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, verlegte er sein unternehmerisches Interesse jedoch auf ein völlig anderes Feld: die kalifornische Thunfischindustrie, die in jenen Jahren San Diego zur „Thunfisch-Hauptstadt der Welt“ machte.
Bereits um 1968 hatte er bei Behörden um Finanzierung für ein Fangschiff angefragt und dabei den Aufbau einer kommerziellen Fischereioperation angekündigt. Mehrere Erkundungsfahrten nach Mexiko in den späten 1960ern gingen diesem Vorhaben voraus.
Die „Margret L“: größtes Thunfischboot der Welt
1972 ließ er schließlich den Bau eines Schiffs abschließen, das zeitweise als größtes Thunfischfangschiff der Welt galt: die „Margret L“. Das Schiff war in San Diego stationiert, löschte seinen Fang jedoch in San Pedro. An Bord arbeitete unter anderem sein Sohn John, gemeinsam mit weiteren Besatzungsmitgliedern aus der Region.
Nach Berichten früherer Nachbarn aus Hawthorne blieb die Familie der Gemeinde eng verbunden und unterstützte lokale Vereine finanziell – eine Verbindung, die sich später fortsetzte, als Sohn John sich Jahrzehnte lang für den Jugendfußball in der Region San Diego engagierte und einen eigenen Sportartikelladen eröffnete.
Tod 1973 und bleibendes Erbe
Andrew Lococo starb am 25. November 1973 in Stockton, Kalifornien, im Alter von 55 Jahren. Sein Nachruf würdigte ihn als Wohltäter mehrerer karitativer Organisationen – ein Nachsatz, der im Kontrast zu den FBI-Ermittlungen der Jahre zuvor steht und die Widersprüche seiner Karriere auf den Punkt bringt.
Steckbrief:
Geboren: 1918, Milwaukee, Wisconsin
Gestorben: 25. November 1973, Stockton, Kalifornien
Bekannt für: Cockatoo Inn (Hawthorne), Verurteilung wegen Meineids 1970, Reederei der „Margret L“
Familie: Ehefrau als Miteigentümerin des Restaurantbetriebs, Sohn John im Fischerei- und später Sportartikelgeschäft
Der Fall zeigt exemplarisch, wie eng Gastronomie, Lokalpolitik und Bundesermittlungen im Südkalifornien der Nachkriegszeit miteinander verflochten waren – und wie schnell ein öffentlicher Gastwirt zum Aktenzeichen der Bundesjustiz werden konnte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wer war Andrew Lococo wirklich?
Andrew Lococo war ein aus Milwaukee stammender Gastronom, der das Cockatoo Inn in Hawthorne, Kalifornien, aufbaute, 1970 wegen Meineids vor einer Bundes-Grand-Jury verurteilt wurde und später als Reeder eines der größten Thunfischfangschiffe seiner Zeit bekannt war.
Warum wurde Andrew Lococo wegen Meineids verurteilt?
Er hatte vor einer Grand Jury bestritten, im Vorjahr Kontakt zu Ray Mirr gehabt zu haben. Telefonprotokolle mit rund 83 nachgewiesenen Anrufen widerlegten diese Aussage, was zur Verurteilung und deren Bestätigung durch den 9. Circuit Court führte.
Was geschah mit dem Cockatoo Inn nach Lococos Verurteilung?
Er zog sich aus dem Gastronomiegeschäft zurück und wandte sich der kommerziellen Hochseefischerei zu. Das Cockatoo Inn selbst bestand als Hotelbetrieb noch über Jahrzehnte fort, wie spätere Zeitungsberichte aus den 1990er-Jahren belegen.
Was war die „Margret L“ und warum war sie bedeutend?
Die „Margret L“ war das 1972 fertiggestellte Fangschiff, das Lococo in San Diego stationierte und das zeitweise als größtes Thunfischboot der Welt galt – ein bemerkenswerter zweiter Karriereabschnitt nach seinem Ausstieg aus der Gastronomie.
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